Begegnungen


Drei Wochen lang hieß es für mich einpacken, losfahren, ankommen, auspacken bis zum nächsten Reisetag, an dem sich dies erneut wiederholte.

Wahnsinn wie viele Eindrücke ich in so kurzer Zeit erhielt und unglaublich schwierig das Erlebte in Worte zu fassen. Allerdings fällt es mir leicht zu sagen, dass die Menschen, die ich auf meiner Reise traf, das Eindrücklichste sind. Durch das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln trifft man so unglaublich schnell auf andere Reisende und findet sich abrupt in witzigen bis tiefen Gesprächen wieder. So konnte ich mich täglich an der Offenheit und Freundlichkeit der Menschen erfreuen.

Natürlich könnte ich auch berichten, dass meine Reise im Norden Bayerns startete, über Innsbruck und Südtirol ins Berner Oberland  verlief, nach einer Woche Wildcampen im Wallis über Montreux an den Vierwaldstättersee führte und letztendlich nach einem Abstecher nach Zürich an der Ostsee endete. Aber dies ist für mich nebensächlich. Viel lieber möchte ich von einer israelischen Familie, die mit einem gemieteten Wohnmobil seit 6 Monaten durch Europa reist erzählen: In einer Gruppe von 9 Leuten saßen wir bei Dunkelheit mit Stirnlampen um einen Campingkocher und warteten nach einem langen Klettertag auf unser Essen. Als Vorspeise erhielten wir von jener eine traditionell zubereitete Mahlzeit, die übrig geblieben war. Man könnte von einem netten Zufall sprechen,  jedoch blieb es nicht bei dieser Begegnung. Schon kurze Zeit später wurde ich von einem pensionierten Älpler nach einem weiteren Klettertag in seine sehr bodenständige Hütte zu Brot und „Chäs“ eingeladen oder lernte nach mehreren Tagen Zelten drei Franzosen kennen, die mich spontan für 2 Tage in ihrem Bus mit auf die Reise nahmen, bevor sich unsere Wege nach einer langen Kartennacht bei strömenden Regen am nächsten Bahnhof trennten.

Es ist Motivation und Inspiration zugleich so viele Menschen mit verschiedensten Lebensweisen und Wertevorstellungen zu treffen und weckt die Neugier sowie das Interesse  für Neues.

Auch spannend war der ständig schnelle Wechsel zwischen ursprünglicher Natur und dem modernem Leben in der Stadt. Meine Reise war durchmischt von zahlreichen Nächten im Zelt/ unter freiem Himmel auf der einen Seite sowie Aufenthalten in kulturellen Städten auf der anderen Seite. Noch in der Nacht beobachte ich den wunderschönen Sternenhimmel und badete am Morgen im türkisfarbenen Bergsee, schon befand ich mich nach kurzer Zugfahrt am Nachmittag im Stadtpark von Bern beim volkstraditionellen Aare-Schwimmen.

Das Zugfahren an sich gestaltete sich als Erlebnis selbst: Nicht selten wurde ich aufgrund meines Gepäcks angesprochen (auf dem Rücken Zelt, Schlafsack, Isomatte und Klamotten; vorne der Kletterrucksack und Proviant) und konnte mich von Gesprächen über Jugend, Kapitalismus, Zukunft bis hin zum Leben in der Heimat wiederfinden oder nutze selbst die Gelegenheit beispielsweise eine zehnköpfige Familie aus Kuwait über ihre Reise zu befragen.

Es lässt sich abschließend nur sagen, dass ich durch das Interrail Ticket wahnsinnig flexibel und mit sehr vielen neuen Kontakten die vielfältige Alpenregion entdecken durfte. Zurück bleibt lediglich Dankbarkeit für all die Menschen, die ich auf der Reise kennen lernte und das Verlangen, erneut auf Reise zu gehen. Denn dies war nur ein kleiner, wenn auch wunderbarer Bruchteil von dem, was es zu entdecken gibt.

Jana Meus




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